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Helmut Milz
Helmut Milz, Prof. Dr.med., Arzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Honorarprofessor für Gesundheitswissenschaften, Uni Bremen, Leibtherapeut, Autor und Forscher
Vielleicht ist der menschliche Körper das Urzeichen? Er kann theoretisch als isolierte Einheit verstanden werden. Wahrnehmungen des eigenen Körpers bilden ein inneres Geflecht von Zeichen. Sie sind als Gedächtnis eigener Lebenserfahrungen gespeichert. Bewusst oder unbewusst kommunizieren wir unser Befinden. Nonverbale Körperzeichen wie Reflexverhalten, Mimik, Gestik, sprachliche Betonung, Geruch oder Raumverhalten dominieren unsere Interaktionen mit Anderen. Sie bilden den Gesamteindruck eines Menschen. Die Entdeckung der sogenannten „Spiegelneurone“ zeigt bisher unbekannte hirnarchitektonische Muster der gegenseitigen Beeinflussung von menschlichen Körpern.
Keine „Oberfläche“ hat so viele symbolische Bedeutungen wie der Körper des Menschen. Er ist Träger und Leinwand biologischer, gesellschaftlicher und kultureller Zuordnungen. In vielgestaltigen Formen wird der menschliche Körper stilisiert und inszeniert. Mit Hilfe von sozialen und kulturellen Codes werden diese dechiffriert und bewertet.
Die medizinische Diagnostik ist eine besondere Lesart von Körperspuren des kranken Menschen. In einem kurzen Exkurs werde ich in diesem Beitrag historische Wandlungen des medizinischen Menschen- und Körperbilds erörtern. Technisch vermittelte Analytik tritt zusehends an die Stelle der sinnlichen Beobachtung. Abbildungen und Datenmengen verdrängen die Gestalt des erkrankten Menschen und seines Körpers. Die Kenntnis des genetischen Codes kann in der Medizin das notwendige Gespür für die Komplexität eines erkrankten Menschen jedoch nie ersetzen. Die Kunst und Wissenschaft des Lesens von spezifischen Körperspuren bleiben für Behandlung, Pflege und Heilung wesentlich.
Ein sensibles Verstehen der körperlichen Zeichen, welche wir teilen und mitteilen, ist kritisch für alle humanen, zivilisierten Interaktionen.
Bodytraces
- Signs, symbols and codes in human interactions -
Maybe the human body is the very first sign? Theoretically the human body can be conceptualized as an isolated entity. But its living reality is in continuos exchange with its environment. The perception of one’s own body creates individual textures of signs. They are stored as memories of personal life experience. We communicate our state of being unconsciously or consciously. Nonverbal signs of the body such as reflex behavior, mimikry, gestures, verbal intonation, scent or spacial behavior dominate our interactions with each other. Scientific findings of so-called “mirror neurons” show unknown patterns of brain architecture which influence the interactions of human bodies.
No other “surface” has so many meanings as the human body. It is carrier and mirror of biological, social and cultural symbols. In many forms the human body is styled and put on stage. These forms are understood with the help of various personal, social and professional codes.
Medical diagnosis is a special way to read the bodytraces of an ill human being. In a short excourse I will show in my presentation, how the image of the human and his body has changed historically. Technically mediated forms of analysis substitute direct observations of the human senses. The personality of an ill human being is more and more replaced by artificial images and data. But in medicine the knowledge of the genetic code is incapable of entirely replacing the felt sense of the complexity of an ill human being. The art and science of reading of specific bodytraces remains essential for treatment, care and healing.
The sublime understanding of the bodily signs that we share and exchange with others is critical for all human, civilized interactions.
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