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Jörg Rasche
Jörg Rasche, Dr. med., Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse, Psychotherapie, Sandspieltherapeut, Musiker, Dozent am C.G.Jung Institut Berlin, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Analytische Psychologie DGAP
Die „Kinderszenen“ op. 15 von Robert Schumann in psychoanalytischer Deutung
Die frühe Kommunikation von Mutter und Kind ist wie Musik. Da gibt es wechselnde harmonische Zustände, Resonanzen, Konsonanzen, Rhythmen, Abstimmungen und komplementäre Bewegungen, die Suche nach gemeinsamen und unterschiedlichen Klängen und Melodien. Die Muster dieser Musik werden später zur Basis der Verständigung mit Worten, und sie wirken weiter unser ganzes Leben. Sie verbinden Gefühle mit Bewegungen, mit Beziehungsmustern und Strategien der Verarbeitung – sie werden zu klingenden Symbolen.
Ich möchte zeigen, wie die „Kinderszenen“ des romantischen Komponisten Robert Schumann solche Formen früher Kommunikation enthalten und zum Klingen bringen. In dieser erstaunlichen Musik können wir sie noch einmal erleben – und wir können sie analysieren und verstehen lernen.
Schumann hat keine Programmmusik geschrieben, doch er hat genau hingehört und hingefühlt. So wie Musik auf verschiedenen emotionalen und strukturellen Ebenen funktioniert, lassen sich hier verschiedene Ebenen der Kommunikation, Kognition und Symbolbildung unterscheiden. Sie folgen Grundmustern, wie sie schon Piaget, C. G. Jung, M. Mahler, Bion oder heute D. Stern mit Worten beschreiben. Auf den Grundmustern der ganz frühen Kommunikation bauen sich die späteren Beziehungserfahrungen (die RIGs) ebenso auf wie die Rhythmen der Lösungs- und Übungsphase. In Schumanns genialer Musik sind auch die Muster der Triangulierung eingezeichnet: Schon im ersten Stück, in dem die Mutter in einer Reverie dem kleinen Kind „Von fremden Ländern und Menschen“ erzählt, ist der Vater als der Dritte heimlich anwesend – sein Klangsymbol sorgt für Spannung und Dehnung. Später wird die Suche nach dem Vater dem Kind helfen, aus der Symbiose mit der Mutter auszuschlüpfen und die ersten Abenteuer zu erleben. Doch die Mutter wird es sein, die in der Szene vom „Fürchtenmachen“ dem Kind anteilnehmend die Schrecken der Welt erklärt und ihm hilft, an ihnen zu wachsen. Musik wird zum Symbol, das Innen und Außen verbindet.
Ich versuche, am Klavier einige Aspekte der Musik zu beleuchten. Abschließend trage ich den gesamten kleinen Zyklus vor.
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