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Im Netz der Symbole: das ausdrückliche Selbst

Matthias Jung

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geb. 1960. Studium der Philosophie und Theologie in Frankfurt/Main. Lehrtätigkeit und Gastprofessuren in Frankfurt, Chemnitz, Jena, Erfurt, Atlanta und St. Louis. Arbeitsschwerpunkte: Ethik, philosophische Anthropologie, Religionsphilosophie. Gegenwärtig Fellow am Max-Weber-Kolleg für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien in Erfurt, dort Forschungsprojekt zur philosophischen Anthropologie und ihrer interdisziplinären Fundierung.

Uni-Erfurt

Extrainfo

Was unterscheidet uns Menschen von anderen Lebewesen, was verbindet uns mit Ihnen? Ich antworte mit einer Metapher: Menschen leben im Zweistromland. Ihr Leben erstreckt sich zwischen zwei großen Flüssen, dem des qualitativen Erlebens, den wir mit den Tieren teilen, und dem der Symbole, die uns als animal symbolicum auszeichnen. Auch andere Lebewesen verwenden zwar Zeichen und kommunizieren mit ihrer Hilfe subtil und ausgiebig. Und auch unser Leben ist von Codes durchzogen, die sich ohne unser Wissen und Zutun entwickeln und verändern – vor allem von dem anonymen Code unseres Genoms.
Aber nur Menschen verwenden eine symbolische Sprache, um die Bedeutung dessen, was in ihrem Erleben und Handeln auftaucht, zu bestimmen. Wir sind die Wesen, die ausdrücklich machen, um was es uns geht, wer wir sind, und vor allem: wer wir sein wollen. Im Netz der Symbole, als Antwort auf persönliches Erleben und auf die Reaktion der Anderen, formt sich damit das Selbst eines Menschen: schwächer als die Seelensubstanz Platons, aber doch stärker als die flüchtige Spur im Sand, von der Michel Foucault meinte, sie sei ein gutes Bild für die Idee des Menschen.
Ich möchte in meinem Vortrag diese Sicht eines symbolisch-erlebenden Selbst entwickeln und dabei philosophische Argumente mit solchen der evolutionären Anthropologie verbinden.

 

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© 2013 ETH Zurich | Imprint | Disclaimer | 11 April 2006
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