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Engel, Viren, Geld und Zeugen: über Boten als Medien und Mittler

Sybille Krämer

Sybille Krämer
Sybille Krämer

Sybille Krämer ist Professorin für Philosophie an der FU Berlin und zugleich permanent fellow am Wissenschaftskolleg Berlin. Projektleiterin im Sonderforschungsbereich ‚Kulturen des Performativen’und in der interdisziplinären Forschergruppe: Bild, Schrift, Zahl; Gründungsmitglied des Helmholtz-Zentrum für Kulturtechnik. 2000- 2006 in den Wissenschaftsrat berufen; ab 2007 Gutachterin des European Research Council; Leitung mehrerer DFG-geförderter Projekte aus dem Bereich der Sprachphilosophie und Medientheorie. Arbeitsschwerpunkte: Philosophie und Mathematik in der frühen Neuzeit; Theorie des Geistes und des Bewußtseins; Interpretationen des Computers; Zeichen- und Medientheorie; Sprachphilosophie; Grundlagenprobleme der Kulturwissenschaften. Veröffentlichungen u.a.: Symbolische Maschinen 1988: Berechenbare Vernunft 1991; Hg. Bewusstsein 1996; Hg. mit P.Koch: Schrift, Medien, Kognition. Über die Exteriorität des Geistes 1997; Hg.: Medien Computer Realität. Wirklichkeitsvorstellungen und Neue Medien, Frankfurt 1998; Sprache, Sprechakt, Kommunikation 2001; (Hg. mit E. König) Gibt es eine Sprache hinter dem Sprechen? 2002; (Hg. mit Horst Bredekamp) Bild, Schrift, Zahl, 2003; Performativität und Medialität (Hg.) 2004; (Hg. mit Grube/Kogge) Schrift. Kulturtechnik zwischen Auge, Hand und Maschine 2005; (Hg. mit Doris Kolesch): Stimme 2006; (Hg. mit Grube/Kogge) Spur. Spurenlesen als Orientierungstechnik und Wissenskust 2007

Was ist ein Medium? Was bedeutet es, wenn wir Medien nicht als ‚Mittel’, vielmehr als ‚Mitte’ und ‚Mittler’ bestimmen? Auf diese Frage wird eine Antwort im Horizont des ‚Botenmodells’ gesucht: Der Bote vermittelt zwischen heterogenen Welten; er ist die Figur eines Dritten, der Kommunikation und Austausch zwischen Unterschiedlichem überhaupt erst möglich macht. Der Bote spricht mit ‚fremder Stimme’: Medien sind also nicht autonom, vielmehr ‚heteronom’ (fremdbestimmt). Erweist sich also die ‚Übertragung’ als ein kulturtheoretisches Schlüsselkonzept? Übertragungslogiken aus sehr unterschiedlichen Bereichen lassen sich analysieren: Die Übertragung göttlicher Botschaften durch die imaginäre Figur des Engels (griech. angelos: Bote); die Übertragung von Krankheiten durch Viren; die Übertragung von Eigentum durch Geld; die Übertragung von Wahrnehmung und Wissen durch Zeugen.

Es zeigt sich dabei, dass jeder dieser ‚Botenfiguren’ einen je anderen Kunstgriff beim Übertragen einsetzt: Engel übertragen kraft Hybridizität; Viren übertragen durch Umschrift, Geld überträgt durch Entdifferenzierung; Zeugen übertragen durch Vertrauenswürdigkeit.
Welche kommunikations- und medientheoretischen Konsequenzen hat das Botenmodell? Und: was bedeutet es philosophisch, wenn wir unsere Stellung in der Welt weniger als homo faber und homo generator, somit als Konstrukteur und Macher begreifen und mehr als ein Bote und Vermittler von etwas, das wir gar nicht selbst hervorgebracht haben?

 

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© 2013 ETH Zurich | Imprint | Disclaimer | 21 May 2007
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